unique planet

Aktivismus, Freundschaft und Bewegung - ein Rückblick

Liebe Freunde, Aktive und Unterstützer,

Anfang 2011 sind wir zusammengekommen. Anfangs noch zu viert, Yannic, Christine, Tobi und ich. Schnell sind neue Gesichter dazu gekommen. Eine »richtige« Organisation sollte gegründet werden.

Nun sind wir seit vier Jahren als unique planet aktiv. Ein Moment um sich zu erinnern, zurückzublicken und über Veränderungen zu sprechen.

Angefangen hat alles mit meist sonntäglichen Treffen in Tobis und Yannics WG in der Kohlrauschstraße. Es wurde stundenlang diskutiert. - Eigentlich haben wir das ganze Wochenende dort verbracht. - Schön wars. Meistens auch etwas chaotisch. Gekocht wurde von Anfang an. Immer. Vegan. Manchmal lecker, manchmal kreativ.
Besonders gut und gerne erinnere ich mich an die Gruppenseminare, die wir 2012, im Frühjahr 2013 und im Herbst 2013, organisiert haben. Mit »allen« Aktiven sind wir dort zusammengekommen und haben künftige Aktionen, Projekte sowie uns selbst geplant. Vor allem haben wir aber eine schöne Zeit miteinander verbracht.
Im Herbst 2011 haben wir uns voller Tatendrang gegründet. Die erste Aktion am 01. September 2011 war friedenspolitisch. Themen wie Ernährung, Umwelt und Konsumkritik sind schnell dazu gekommen.
Aktionen wie diese haben uns als Gruppe und Freunde verbunden und viel Energie freigesetzt.

Im Dezember 2011 hatten wir ca. 20 Aktive zusammen. In Tobis 20m² Zimmer. Aktionen und Projekte wurden geplant. Meistens auch umgesetzt. Noch in diesem Jahr waren wir beim ersten veganen Weihnachtsmarkt dabei. cookup, Kleidertauschparties, und weitere Anti-Militär Aktionen folgten.
Vollkommen überraschend - zurückblickend aber unglaublich naheliegend - hat sich unser allerliebster Tobi im April 2013 dazu entschlossen aus Hannover - und damit auch ein wenig von unique planet - wegzugehen. Er ist auf eine (erstmal) unbestimmte und geldfreie Reise gegangen, hat Workshops gegeben, Menschen und Projekte kennengelernt und war als mobiler Aktivist - oder eher Uptivist - unterwegs.
Das war ein durchaus aufregender aber auch trauriger Moment. Wir mussten Abschied nehmen - zumindest erst einmal. Unklar war wie es weitergehen sollte. unique planet ohne Tobi war zunächst eine Vorstellung an die sich alle gewöhnen mussten.

Für Tobi war die Entscheidung gut und richtig. Er konnte seine Freiheit neu entdecken und ausleben; dadurch mehr Menschen erreichen als je zuvor. Später hat er ein weiteres Aktionsnetzwerk, living utopia, ins Leben gerufen, in dem er unzählige Projekte und Aktionen macht.

Veränderungen kommen selten allein: Tina und Mischa sind in den Lebensgarten nach Steyerberg gezogen, um an peacelab teilzunehmen. Yui ist für ihr Studium nach Hildesheim gegangen. Auch ich habe im Herbst 2013 mein Studium in Hannover an den Nagel gehängt und in Bremen neu angefangen.
Ein persönliches Highlight in all der Zeit war eine Kooperation mit dem VEN zum Thema Menschenrechte und Wasser. Gemeinsam haben wir einen unglaublich schönen Film- und Diskussionsabend im Künstlerhaus organisiert.
2014 haben wir - vor allem Jonathan und Tina - in einer weiteren großen Kooperation mit dem VEN und dem Agenda 21 Büro Buen Vivir organisiert. Zu einem Konzertabend mit Grupo Sal und eine Podiumsdiskussion mit Alberto Acosta wurde eigeladen.
Im April hat sich die Möglichkeit ergeben ein Projekt im Rahmen von »Jugend für Europa« (ein Förderprogramm der EU) durchzuführen. Ein Thema war schnell gefunden: (vegane) Ernährung. Die Idee: Es sollte eine online Austauschplattform für vegetarisch und vegan lebende Menschen geschaffen werden. Zusätzlich sollte es ein Wissenspool und begleitende Veranstaltungen geben. foodprint wurde gestartet und hat sich im laufe des Jahres immer weiter entwickelt. Jedoch sollten wir lernen müssen, dass wir zwar fantastische Ideen hatten, dieses Projekt mit unseren Kapazitäten leider nicht umsetzbar war.

Unsere erste kleine Veranstaltungsserie, das infoup, ist gestartet. Einige von uns waren 2012 bei Blockupy - andere 2013 oder 2015 - oder bei den Anti-AKW NO MOX Protesten in Grohnde. Außerdem wurde überraschender- und unbürokratischerweise foodprint als Projekt der Unesco BNE Dekade ausgezeichnet. cookup ist ebenfalls in die zweite Runde gegangen.
Mit Glück konnten wir Jürgen Mannemann für einen fantastischen Vortrag über Humanökonomie für den JANUN Herbstkongress gewinnen. Ebenfalls ein sehr spannender und wirkungsvoller Impuls in den Veranstaltungen.
Im Herbst haben wir unsere Feier zum Einjährigen - wow schon ein Jahr unique planet - vorbereitet. Ein kleines Büchlein wurde mit großer Mühe und in einer typischen Nacht (und Nebel) Aktion vorbereitet. Am 29.09. hat die Jahresfeier auf dem Bau-Hof in Wunstorf - auch der Ort unserer aller (aller) ersten Treffen - mit vielen lieben Menschen, guter Laune und natürlich leckerem Essen stattgefunden.
Außerdem haben 2014 Yannic, Lena und ich unseren ersten Podcast auf dem KdW-Fest aufgenommen. Zu dem Zeitpunkt war seit kurzen das Camp auf dem Weißekreuzplatz; spontan haben wir ein Interview mit Geflüchteten und einem Supporter gemacht.

Im Rahmen des Jahresprojekts 2015 - welches wir mit einem wunderbaren Kick-Off gestartet haben - hat sich dann daraus das Projekt Flüchtlingsfragen entwickelt. Interviews mit Aktiven vom Kargah e.V. und Du bist Willkommen sowie Ahmed, einem Refugee aus Palestina, sind entstanden.
In diesem Jahr mussten wir ein weiteres Mal Abschied nehmen - für immer. Unser lieber Freund Mischa ist bei einem Kletterunfall in den Bergen ums Leben gekommen.
In guter Erinnerung ist mir der Trip zum VEJU nach Berlin geblieben. Noch viel spannender und ereignisreicher war allerdings Gorleben 2011. Mein erster Castortransport. (»Leider« auch mein einziger.) Mit dem Auto und dem Zug sind wir ins Wendland. Aufregend war es damals auf den Gleisen, in den Camps, und (für einige) im Kessel.
Mein Rückblick neigt sich dem Ende entgegen. Vier Jahre Freundschaft, Aktivismus und Veränderungen im Schnelldurchlauf.

Ich blicke auf eine schöne und reichhaltige Zeit zurück. Insbesondere die ersten Jahre waren echt intensiv - machmal auch naiv. Wir - und ich denke, ich darf für alle sprechen - haben viel Spaß gehabt, nette Menschen kennengelernt, neue Freunde gefunden; Erfolg gehabt, Fehler gemacht, vor allem aber unglaublich viel gelernt.
Mitte 2012 wurde die WG dann doch zu klein. Wir wollten strukturierter werden. Beim Jugendumweltnetzwerk JANUN haben wir als Projektgruppe in der Goebenstraße ein neues wunderbares Zuhause gefunden.
Nicht nur ein neuer Ort für unsere Treffen war da, sondern auch Kontakt in ein Netzwerk aus anderen politisch-aktiven Jugendgruppen. Persönlich war insbesondere das JANUN-Team immer offen und - in vielerlei Hinsicht - unterstützend für uns da.
meetup, infoup, cookup - unsere Verbundenheit zu den schönen Buchstaben U und P hat machmal etwas überhand genommen. Tatsächlich ist daraus aber später unser wunderbares Logo entstanden.
Im letzten Jahr haben wir allerdings immer weniger Zeit und Motivation in unique planet stecken können. Es ist etwas ruhiger geworden um uns.
Veränderungen sind in Sicht oder schon im Gange: Alina wohnt in Göttingen und erwartet ein Kind, ich bin für mein Auslandsstudium nach Amsterdam gezogen, Christine macht ihren Master und Yannic zieht voraussichtlich für seinen im nächsten Frühjahr ebenfalls ins Ausland.

Im November haben Tina, Christine, Jonathan, Yannic und ich uns zusammengesetzt und über die Situation gesprochen. Von Anfang an war klar, dass Strukturen und Verwaltungsaufwand abgebaut werden müssen um sich der neuen Situation anzupassen.
Viele (teilweise sehr interessante) Ideen für eine Neugestaltung haben wir diskutiert. (z.B. unique planet als loses Kollektiv, als online Aktivisten- und Projektnetzwerk, als Change-Agentur)

Schlussendlich - das mag einige überraschen - haben wir uns dazu entschlossen unique planet, so wie es ist, aufzugeben.
Eine Entscheidung, die uns unglaublich schwer - und jetzt wo ich diesen Brief und Rückblick schreibe noch viel schwerer - gefallen ist.
2013 standen dann Welternährung, weitere Kleidertauschparties und vegane Marktstände, der Ostermarsch in Hannover, die wunderbare Utopianale und die Anti-AKW Demo (zum Jahrestag der Fukushima-Katastrophe) auf dem Programm.
Trotzdem denken wir, dass die Entscheidung richtig ist. Um Platz zu machen für neue Freiheit, neue Energie, neue Ideen und neue Projekte.
Was bleibt?
Ich wünsche dir eine schöne Winterzeit und ein wunderbares neues Jahr!

Herzlichste Grüße,

Jelko
Alena, Alina, Alina, Christine, Hannah, Hannah, Hauke, Heike, Jan, Joana,Jonas, Jonathan, Julia, Laura, Leah, Lena, Lena, Luise, Magdalena, Manuel, Merlind, Minou, Mischa, Mizgin, Moritz, Pia, Sarah, Sarah, Sina, Sina, Tina, Tobi, Wiebke, Yannic, Yui, ich und du
unique planet ist und waren
Eine Idee von ganzheitlicher Betrachtung der Dingen, die um uns geschehen. Auch wenn die Organisation vielleicht aufgelöst wird; Die Idee lebt weiter - und ist relevant wie nie.

Eine unglaublich schöne Zeit auf die wir alle zurückblicken können, viele Menschen, die wir auf die eine oder andere Art berührt haben und Freunde, die sicher auf dem einen oder anderen Weg in der Zukunft weiterhin Projekte miteinander auf die Beine stellen werden.

Ein Dank an dich und allen anderen, die in den letzten Jahren - auf die eine oder andere Art und Weise - Teil von diesem unglaublichen Projekt waren! Es war eine Freude.